Warum sollte tierisches Eiweiß schädlich sein?

Grillfleisch

Dass tierische Fette ungesund sind, ist ja allgemein bekannt. Aber tierisches Eiweiß? Ist das nicht eher gesund? Ist es nicht das hochwertigste Eiweiß das uns zur Verfügung steht? Liefert es uns nicht so richtig Kraft?

Fleisch als Übeltäter

Tierische Fette werden durchwegs sehr kritisch bewertet. Sie fördern eine Gewichtszunahme und erhöhen das Herz-Kreislaufrisiko. Relativ kritisch wird auch das Fleisch, und hier rotes Fleisch (Rindfleisch, Schweinefleisch) und insbesondere „verarbeitete Fleischwaren“ (Wurst, Pasteten, Schinken etc.) gesehen. Es gilt mittlerweile als unumstritten, dass diese die Krebsentstehung begünstigen.

Auch Milch ist ungesund

Aber wie steht es um das tierische Produkt, welches allgemein als „sehr gesund“ angesehen wird – die Milch? Wussten Sie, dass die Länder mit dem höchsten Milchkonsum die höchsten Osteoporoseraten haben? Milch enthält zwar viel Calcium, das ist schon korrekt, aber sie enthält auch einiges an tierischem Eiweiß. Und das führt zur Ansäuerung des Blut-pH-Wertes. Da ein konstanter pH-Wert aber unabdingbare Voraussetzung für das Funktionieren vieler Zellen und Organe ist, versucht der Körper, dieses Absinken sofort auszugleichen. Und dies macht er mit Calcium, welches er aus dem Knochen holt. Und in Tierversuchen hat sich das Casein der Milch als das „Schlimmste“ aller Eiweißarten hinsichtlich Krebswachstum erwiesen. Zu diesem Bild passt, dass Milch eindeutig das Risiko erhöht, an Prostatakrebs zu erkranken. Eine schwedische Studie an über 20.000 Patienten mit Laktoseintoleranz welche Milchprodukte meiden, erbrachte rund 40% niedrigere Krebsraten unter diesen Patienten!

Was bedeutet „Biologische Hochwertigkeit“?

Aber tierisches Eiweiß wird auch als das „hochwertigste“ Eiweiß angesehen. Mit dieser „Hochwertigkeit“ ist jedoch nur gemeint. dass ein sehr hoher Anteil der Aminosäuren im tierischen Eiweiß zum Aufbau körpereigener Proteine verwendet werden kann. Ob dies aber ein Vorteil ist, sei dahingestellt. Die „ideale“ Zusammensetzung der Aminosäuren begünstigt nämlich auch das überschießende Zellwachstum, es ist sozusagen ideales Baumaterial für die neu gebildeten Zellen. Ernährt man sich pflanzlich, zieht man damit schon einmal eine „Sicherheitsbremse“ ein und im Falle eines bestehenden Tumors entzieht man damit möglicherweise dem Krebs die Möglichkeit, wie wild zu wachsen.

Die besondere Rolle des Methionins

Es gibt aber noch einen anderen Mechanismus, wie gerade tierisches Eiweiß das Tumorwachstum fördert. Forscher fanden heraus, dass viele Krebszellen in ihrem Wachstum von Methionin abhängig sind, exakt jene Aminosäure, welche in viel größeren Mengen im tierischen Eiweiß vorkommt als im pflanzlichen. Warum Krebszellen von der Methioninzufuhr abhängig sind, wird noch rege diskutiert. Fest steht aber: Sie benötigen von außen zugeführtes Methionin. Fällt dieses weg, ist auch das Wachstum der Tumorzellen blockiert.

Statistik im Großen: Krebshäufigkeit und tierische Ernährung

Jedenfalls bestätigt sich im Tierversuch, dass ohne tierisches Eiweiß kaum ein Tumor wachsen kann, und dass dem pflanzlichen Eiweiß diese tumorfördernde Eigenschaft fehlt. Vergleicht man auch Länder, in welchen sehr wenig tierische Produkte verzehrt werden (z.B. Indien, Ägypten) mit Ländern, in denen viel tierische Produkte konsumiert werden, zeigt sich ein deutlicher Anstieg der Krebsraten mit steigendem Konsum tierischer Produkte. Berücksichtigt man nur etwa den Fleischkonsum oder den Konsum von Milchprodukten allein, ist die Korrelation nicht so deutlich. Nimmt man jedoch alle tierischen Produkte zusammen, ergibt sich eine sehr gute Korrelation zwischen dem Konsum tierischer Lebensmittel und der Krebshäufigkeit (Krebsinzidenz).

Konsum tierische Produkte

Graphik 1: Der Konsum von tierischem Eiweiß in beispielhaft ausgewählten Ländern zwischen 1961 und 2011 in g / Tag und pro Person (Quelle: FAO Statistics)

Cancer incidence

Graphik 2: Im Vergleich dazu die Krebsinzidenzraten aus dem Jahr 2011 der entsprechenden Länder (neue Fälle pro 100.000 EW und Jahr) (Quelle: WHO / Cancer Research UK; Statistik Austria)

Und Details untermauern den Zusammenhang

Natürlich ist dies kein Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang. Doch ergeben diese Statistiken ein so viel deutlicheres Bild, als die Studien, in denen nur einzelne Lebensmittelgruppen untersucht werden. Der Zusammenhang wird aber auch bereits durch Laborversuche bestätigt. Und schließlich gibt es einzelne kleine Studien, die zeigen, dass eine pflanzliche Ernährung auch bei Krebspatienten von Vorteil ist.

Warum dieser Ansatz nicht weiter verfolgt worden ist, darüber kann man nur spekulieren. Als Krebspatientin möchte man jedoch die Zeit nicht ungenützt vergehen lassen – und es ist tatsächlich an der Zeit, dies im Großen zu untersuchen!

Quellen:
Besonders deutlich zeigen die Studien von C.T. Campbell die Wirkung tierischen Eiweißes. Sie sind ausführlich beschrieben und mit zahlreichen Literaturangaben belegt in: The China Study, T. Colin Campbell, Thomas M. Campbell, Benbella Books, Dallas, Texas, 2006
Eine Zusammenfassung der ganzen Studienserie finden Sie im Blog: http://dr.aspalter.at/2014/09/13/ernaehrung-bei-krebs-eiweiss/
Cavuoto P, Fenech MF. A review of methionine dependency and the role of methionine restriction in cancer growth control and life-span extension. Cancer Treat Rev. 2012 Oct;38(6):726-36.
Photo: Eiweiß am Grill, R. Aspalter
Graphiken: R. Aspalter